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Ein grammatikalischer Perspektivwechsel ist nur ein weiteres Hin und Her

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Heißt es korrekt „Hin und Her“ oder „hin und her“? Neben dieser Redewendung erklären wir auch den Unterschied zwischen „hinlaufen“ und „herlaufen“.

Wir erklären sowohl „Hin und Her“ als auch die Vorsilben „hin-“ und „her-“.
„Sehen Sie hin“ oder doch „Sehen Sie her“?

Die deutsche Sprache liebt die Verwendung von Vor- und Nachsilben (Affixen), um neue Begriffe zu bilden. Die Präfixe „hin-“ und „her-“ zeigen, wie kleinschrittig Wortbildung abläuft und worin genau der Unterschied zwischen hinhören und herhören liegt. Zunächst widmen wir uns jedoch den Vorsilben an sich, schließlich kommen sie als Floskel hin und her bereits vor.

Redewendungen „Hin und Her“ und „hin und her“

Wenn vom Sprichwort Hin und Her die Rede ist, sind genau genommen zwei verschiedene Wendungen gemeint. Daher ist die Verwirrung zwischen den beiden richtigen Schreibweisen verständlich:

Nach langem Hin und Her konnten sich die Parteien schlussendlich einigen.
Sie fahren den Weg jetzt noch einmal hin und her; irgendwo muss das Handy doch sein!

Die Redewendung Hin und Her ist als Stabreim der beiden nominalisierten Begriffe das Hin und das Her zu sehen. Als geflügeltes Wort zielen sie jedoch nicht in bestimmte Richtungen, sondern beschreiben einen ausgewogenen Kampf im übertragenen Sinn. Daher kann ein Hin und Her als chaotisches und planloses Tauziehen verstanden werden.

Das Verhalten der beiden ist ein ewiges Hin und Her.

In Abgrenzung dazu gibt es jedoch auch die Redewendung hin und her. Sie ist vergleichbar mit Phrasen wie auf und ab, hin und zurück sowie rauf und runter. Als Präpositionenpaar werden jedoch beide weiterhin kleingeschrieben. Hin und her können Sie oft synonym zu umher verwenden:

Sie fuhren verloren in der Stadt hin und her, bis das Benzin leer war.

„Hin-“ und „her-“ als Präfixe (Vorsilben) von Verben

Es gibt eine Reihe von Verben, die sich sowohl mit  „hin-“ als auch mit „her-“ kombinieren lassen. Zwar drücken beide eine Bewegung aus. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Anfügen von „hin-“ und dem von „her-“.

Vergleichen Sie:

Vergleichen Sie

Magst du nicht mal herfahren? Ich fahre sonst immer zu dir.

Magst du nicht mal hinfahren? Du sitzt immer auf dem Beifahrersitz.

Wenn Sie die Verben herfahren und hinfahren in den Sätzen miteinander tauschen würden, wären sie zwar grammatikalisch immer noch korrekt. Allerdings würde es einen Logikfehler mit sich ziehen. Doch warum können Sie offenbar nicht zu jemanden herfahren?

Die Erklärung liegt an zwei grundlegenden Betrachtungsweisen. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Die Post fährt ihre tägliche Runde und möchte Ihnen ein Paket zustellen. Aus Ihrer Sicht können Sie behaupten:

Die Postbotin kommt heute her.

Dabei ist es wichtig, dass die Bewegung zu Ihnen hin ausgeführt wird. Sie befinden sich bereits an der Zielposition der Handlung. Stellen Sie sich jedoch vor, die Post meldet sich im Vorfeld bei Ihnen mit den Worten:

Unser Mitarbeiter kann erst am Nachmittag zur Packstation hinfahren. Dann nimmt er erst Ihr Paket mit.

Die anrufende Person befindet sich daher nicht am Zielort der Handlung, in dem Fall Ihrem Zuhause. Die Unterscheidung zwischen „hin-“ oder „her-“ plus Verb liegt also in der Relation zwischen Sprechort und Handlungsort.

hin: von der sprechenden Person weg

her: in Richtung der sprechenden Person

Weitere Beispiele dieser Bewegungsverben:

Hin- und herfliegen, hin- und hereilen, hin- und herwerfen, hin- und herstolpern, hin- und hersehen, hin- und herschicken, hin- und herflitzen, hin- und herreisen, hin- und herkriechen, hin- und herschleppen, hin- und herzappen, hin- und herschalten, hin- und hernehmen.

Andere Verbpaare wiederum haben nichts mehr mit klassischen Bewegungen zu tun:

herrichten (etwas aufhübschen) – hinrichten (jemanden zu Tode bestrafen),
herstellen (etwas produzieren) – hinstellen (etwas aufrecht positionieren),
hermachen (Eindruck schinden) – hinmachen (sich beeilen) etc.

„Hin“ und „her“ als Präfixe (Vorsilben) von Präpositionen

Bei dieser bloßen Unterscheidung zwischen  „hin-“ und „her-“ soll es nicht bleiben. Schließlich eignen sich die Präfixe auch dazu, sie mit Präpositionen zu kombinieren:

Bewegungsrichtung „hin-“ „her-“
nach oben hinauf herauf
nach unten hinab herab
nach innen hinein herein
nach draußen hinaus heraus
zu einem Punkt hinan (historisch) heran
hier hierhin hierher
da / dort dahin / dorthin daher / dorther

Diese zusammengefügten Präpositionen können Bewegungsverben vorangestellt werden. Ein weiteres Beispiel soll die Bewegungsrichtungen und Sprechperspektiven verdeutlichen:

Person A geht bei einer Wohnungsbegehung zuerst durch die Tür, während Person B nachkommt.

A: Kommst du jetzt auch mal herein? Die Wohnung ist echt schön!
(kein hinein)

B: Ja … ich bin doch gleich da. Aber wir müssen uns beeilen und schnell wieder hinausgehen. Ich habe im Halteverbot geparkt.
(kein herausgehen)

Wir als außenstehende Personen können uns übrigens aussuchen, ob wir behaupten:

Person A bittet Person B herein.
Person A bittet Person B hinein.

Je nachdem, ob wir den Fokus darauf legen wollen, dass sich Person B von ihrem aktuellen Ort herbewegt oder darauf, dass sie sich zeitgleich zu Person A hinbewegt.

Nach diesem Hin und Her in die Welt der Redewendungen und Präfixe können wir herausstellen, dass es im Deutschen einige Verben gibt, deren Benutzung der kontextabhängig ist. Je nach Perspektive der Beteiligten wird herumgespielt und hingedeutet. LanguageTool weiß zwar nicht, wo Sie sich zurzeit befinden, hilft Ihnen jedoch gerne mit dem ewigen Auf und Ab sprachlicher Präzision.


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