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Warum „Anscheinend“ und „Scheinbar“ scheinbar gar nicht unterschiedlich sind

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Anscheinend und scheinbar – Gibt es da wirklich einen Unterschied? Und wenn ja, wieso werden beide offenbar immer synonym benutzt?

„Anscheinend“ versus „Scheinbar“
Die Unterscheidung zwischen „anscheinend“ und „scheinbar“ gilt heutzutage als klassische Pedantenregel.

In manchen Fällen werden sprachliche Fehler so oft begangen, dass sie im Laufe der Zeit immer mehr akzeptiert werden. Wenn dies lange genug passiert, verblasst der Fehler gänzlich und nur noch absolute Sprachpuristen stören sich an den vermeintlichen Haarspaltereien. Das lässt sich jedoch nicht nur in der Grammatik beobachten, sondern auch in Wortbedeutungen – wie auch im oft gesehenen Beispiel anscheinend und scheinbar.

Der Unterschied zwischen „Anscheinend“ und „Scheinbar“

Zunächst war scheinbar das populärere Adverb hierzulande. Allerdings wurde anscheinend im 19. Jh. zusehends beliebter, bis es 1920 sogar öfter als scheinbar in der Sprache vorkam. Ab da nahm die Popularität jedoch rasant ab und bis heute blieb scheinbar der favorisierte Begriff. Es ist jedoch unklar, seit wann die folgende Differenzierung nicht mehr bestand:

  • Anscheinend: bei Mutmaßungen und wahrscheinlichen Aussagen, etwas „hat den Anschein“ oder „ist wohl / möglicherweise so“.
Anscheinend haben die Spieler schon in der ersten Spielhälfte aufgegeben.
  • Scheinbar: bei Äußerungen des Eindrucks, entspricht jedoch nicht der Wahrheit, etwas „scheint der Fall zu sein, ist es aber nicht“ oder ist angeblich, vorgetäuscht
Scheinbar geht die Sonne heute gar nicht mehr auf.
„Unsere Kollegin ist anscheinend heute krank.“
„Unsere Kollegin ist scheinbar heute krank.“

Je nachdem, ob die sprechende Person weiß, dass die Kollegin absichtlich blaumacht oder alles nur darauf hindeutet, dass besagte Kollegin mutmaßlich wirklich krank ist, muss sie sich für eines der Wörter entscheiden.

Die Situation heutzutage lässt
etwas Spielraum zu

Diese klar definierte Regel besteht jedoch inzwischen nicht mehr in dem Ausmaß wie früher. Ganz zum Leidwesen von anscheinend, nimmt scheinbar immer mehr die pragmatische Rolle beider Umstandswörter ein. Daher ist es nun auch nicht weiter tragisch, folgenden Satz zu bilden:

Scheinbar kann sich keiner mehr an diese Zeit erinnern.

Gemäß der Konvention wäre der Satz nur mit anscheinend möglich, da die Benutzung von scheinbar suggerieren würde, dass die Angesprochenen sich bewusst nicht an besagte Zeit erinnern wollten. Was jedoch früher so manchen Grammatikliebhaber zur Weißglut gebracht hat, ist heutzutage weitestgehend akzeptiert.

Darüber hinaus kann scheinbar im Gegensatz zu anscheinend auch als Adjektiv auftreten:

Das waren lediglich die scheinbaren Gründe der Kündigung.

Es klingt recht unnatürlich, wenn versucht wird, anscheinend als Synonym für scheinbar zu verwenden (also der umgekehrte Fall):

Die Zeit geht anscheinend scheinbar langsamer vorbei als gestern noch.
Unsere Tipps

  • Wir empfehlen mittlerweile, die auslaufende Auseinanderhaltung der beiden Wendungen nur noch bedingt zu beachten. Nur im akademischen und formellen Kontext, wo es ohnehin sehr auf präzise und korrekte Sprache ankommt, sollten anscheinend und scheinbar auseinandergehalten werden.
  • Im Alltag können Sie auch gerne scheinbar anstelle von anscheinend benutzen, da es inzwischen nicht mehr als klassischer Fehler angesehen werden kann.
  • Verbessern Sie die Personen nicht, bei denen Ihnen dieses Verhalten auffällt.

LanguageTool verbessert derartige Fehler übrigens nicht, sondern macht Sie auf mögliche Empfehlungen aufmerksam. Diese Stilanalyse ist daher nicht so streng wie die Grammatik- und Rechtschreibprüfung. Anscheinend gibt es immer auch Wörter, die zu einer früheren Zeit als nicht passend erachtet werden, aber scheinbar trotzdem immer weiter an Beliebtheit zunehmen und daher ihre Bedeutungen erweitern.


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